Anthologie der „Literaturtage 2014“ in Mals

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Motto „Freiheit, Fraktionen, Fraktale

An der Grenze
Der kleine Marktflecken Mals liegt am Rande der deutschen Sprach-Grenze. Am Stilfser Joch treffen der italienische Sprachraum mit dem deutschen und dem rätoromanischen Sprachraum zusammen. Der deutsch-italienisch-rätoromanische Sprach-Raum unserer Grenz-Gemeinde Mals ist aber auch ein politischer (Italien – Schweiz – Österreich) und ein religiöser Grenz-Raum (einstmals nur Katholizismus versus Reformation. Heute sind wohl alle Welt-Religionen bei uns vertreten)

Zum Motto „Freiheit – Fraktionen- Fraktale“

Einmal, weil die Gemeinde Mals aus zehn Fraktionen besteht.

Zweimal, weil die Groß-Gemeinde Mals von der Österreichischen bis zur Schweizer Grenze reicht.

Dreimal, weil sich just in der Gemeinde Mals der deutsche, der italienische und der rätoromanische Sprachraum treffen, wir also ein besonderer Teil der europäischen Realität sind. Weil aber auch – durch Zuwanderung – in der Großgemeinde Mals mittlerweile über 20 verschiedene Sprachen gesprochen werden.

Viermal, weil das Thema „Freiheit“ (im weitesten Sinne) wichtiger denn je wird, gerade in Zeiten totalitärer Geld-Systeme, an deren Rand alte Faschismen lauern.

Fünfmal: „Fraktal“ bezeichnet Gebilde (oder geometrische Muster), die eine gebrochene Dimensionalität besitzen und zudem einen hohen Grad von Selbstähnlichkeit aufweisen. Wir Menschen sind selbst fraktale Wesen. Eine Grenzgemeinde wie Mals besitzt mehr als andere Gemeinden eine gebrochene Dimensionalität und weist doch einen hohen Grad von Selbstähnlichkeit innerhalb seiner Fraktionen auf.
Und so empfinden wir Obervintschger uns als ein Pars pro toto des heutigen Europas, das ja auch eine Art Fraktal-Existenz ist.

Sechsmal: Das kehlige Wortspiel „Freiheit – Fraktionen- Fraktale“ soll durch diese Monate rinnen und,

siebenmal, uns immer daran erinnern: Wenn wir nicht selber Freiheit gewähren, haben wir wohl kaum das Recht, Freiheit zu fordern

Reinhard May: Sei wachsam!
https://der-malser-weg.com/2018/01/10/sei-wachsam/

Diese Anthologie soll also weit über die Grenzen der Kultur-Veranstaltung „Literatur-an-der-Grenze“ hinausgehen.

Über die Zeitgrenze und die begrenzte Zeit der Veranstaltung.

Über die Ländergrenzen, über die Buchgrenzen, über die persönlichen Grenzen des Hier und Jetzt hinaus.

So wie sich im Laufe des 20. Jahrhunderts die Grenzen zwischen den Kunstformen aufzulösen begonnen haben, so ist auch die „klassische“ Literatur aus ihrem einst geschlossenen System ausgebrochen, hat sich fortentwickelt, ist in andere Formen der Kunst eingewandert und hat sich – allein schon durch das geschriebene Wort – in alle anderen Kunstbereiche eingeschleust. So haben auch wir Tage der künstlerischen und literarischen Grenzfälle eingeplant.

Auf dass man Grenzen wohl wahrnehmen kann.
Auf dass man Grenzen aufbrechen und überschreiten kann.
Auf dass man Grenzen und eigene Identität aber durchaus auch beibehalten kann.

Die Kultur-Veranstaltung „Literatur-an-der-Grenze“ enthält – und wir paraphrasieren hier Claudio Magris – die Bitte zu versuchen, all die Grenzen (an die wir stoßen) mal von der anderen Seite her zu leben, auf dass man seine eigenen Grenzen auch einmal richtig wahrnehmen kann.

Johannes Fragner-Unterpertinger
in arte Hans Perting

An der Grenze genügt ein einziger Schritt nur
und man ist unversehens ein Fremder.
Jacques Guidon

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(C) Hans Perting
http://www.hans-perting.com

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